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Geschichte

Bönigen, am unteren Brienzerseebecken, besitzt einen Dorfteil von nationaler Bedeutung. Holzhäuser aus dem 16. bis 19. Jahrhundert prägen den Dorfkern, der zum Glück nie durch ein Grossfeuer zerstört worden ist.

Über die Gründungszeit und die Besiedlung weiss man leider wenig. Im Jahre 1239 wird urkundlich erstmals der Name "Wernherus de Boningen" genannt. Dies geschieht im Zusammenhang mit einem Streit zwischen der Propstei Interlaken und Ritter Heinrich von Wimmis. Mit der Reformation gelangt Bönigen über das Kloster Interlaken an den Staat Bern und untersteht bis 1798 dem Landvogt von Interlaken. 1861 genehmigen die Einwohner- und die Burgergemeinde einen Ausscheidungsvertrag, woraus die "Gemischte Gemeinde Bönigen" entsteht, die auch das Burgergut verwaltet. Auf den 1. Januar 1999 ist die Trennung der Gemischten Gemeinde in eine Einwohnergemeinde und eine Burgergemeinde vollzogen worden.

 

Mehr dazu auf: www.boenigen.ch

 


 
 
 
EIN NACHRUF DER BESONDEREN ART


Jahrzehntelang haben die Böniger abends im Garten des Restaurant Bären gesessen und sich heimlich einer Vorfreude hingegeben. Denn jedes Mal, wenn sich eine Autofahrerin oder eine Autofahrer, vorwiegend mit ausserkantonalen und ausländischen Nummernschildern, der Bärenkreuzung näherte, zuerst gestoppt und dann - für die Begriffe eines Bönigers - falsch über den Kreisel, der eben keiner war, gefahren ist, brachen sie in schallendes Gelächter aus. Diese Freude ist ihnen nun nicht länger gegönnt. Aus dem falschen Kreisel hat der Kanton nun beinahe einen genormt richtigen gemacht. Aber eben nur beinahe. Für Bönigen darfs von Zeit zu Zeit eben schon etwas Aussergewöhnliches sein! Die Anfänge dieses Kreisels wurden vor Jahrzehnten im Bild festgehalten. Aus dem Nachlass von Frau Greti Michel-Seiler, im Volksmund «Poliziiergret» genannt, haben wir eine Originalfotografie erhalten, die vor etwa 70 Jahren entstanden ist und die heutige Bärenkreuzung zeigt. Für unsere Sammlung topografischer Ansichten des Dorfes ein Juwel!

 

Das Bild zeigt von links nach rechts: Die «Pfandstatt» [heute Bushaltestelle]; den Gasthof Bä-ren; dahinter gegen Westen das «Häsler-Räuber-Haus» [abgebrochen, heute Haus Hans Michel, Sanitäre Anlagen]; davor gegen Osten das «Löchli-Mättelli» mit dem gegen die  Strasse hin noch offenen Dorfbach, und in der Mitte einen Verkaufspavillon [abgebrochen, heute Haus Seiler-Elektro]. Links vor diesem Pavillon ist eine Erhöhung mit dem Kandelaber einer Tele-fonstange zu sehen: Dies ist der Anfang des Kreisels, der bis Sommer 2005 Bestand hatte. Ganz rechts im Bild das heutige Dorfmuseum. Was im Pavillon verkauft wurde, wissen wir leider nicht.

 

Quelle: Peter Michel. In: Jahresbericht 2005 des Heimatvereins Bönigen.

 


Karl May

Der Schriftsteller weilte 1893 mit dem Verlegerpaar Fehsenfeld im Hotel Bellevue in Bönigen. Seiner Biografie kann man entnehmen, dass er schöne Ansichtskarten gekauft hat und viel Skat gespielt hat. Im gleichen Jahr kam Winnetou 1 auf den Markt.


Brauchtum „Andresler“

Der Andreastag, d.h. der 30. November, war bei uns während Jahrhunderten der Zinstag für Pachtland. An diesem Tag musste die vereinbarte Summe abgeliefert werden. Für manch wenig begüterte Familie war es oft schwierig, den Jahreszins z.B. für das Bäuert-recht zusammenzukratzen. Es mussten dann wohl oder übel Verwandte oder Bekannte aushelfen.
In Erinnerung an diese bösen Zeiten entstand der Brauch, welcher in Bönigen allgemein als „Andresler“ bekannt ist. Ursprünglich zogen die Kinder ärmerer Leute am 30. Novem-ber einzeln oder in kleinen Gruppen von Haus zu Haus und baten um eine milde Gabe. Sie erhielten vor allem gedörrte Aepfel- und Birnenschnitze, Zwetschgen und Baumnüs-se. Für diese milde Gabe bedankten sie sich mit einem munteren Lied oder mit einem Vers.
Auch heute gehen die Kinder verkleidet von Haus zu Haus und singen ein Lied oder tra-gen ein Gedicht vor. Der Brauch ist nur in Bönigen bekannt.


Von Boningen zu Bönigen

1239 erste geschichtliche Erwähnung des Ortes mit Wernher von Boningen, später nann-te man es Böningen und ab dem 19. Jahrhundert heisst das Dorf offiziell Bönigen.
Ursprünglich eine alemannische Siedlung wurde dann unter der Oberhoheit des Kaisers zum freien Reichsdorf. Darum der Reichsadler im Wappen. Der Steinbock ist das Zeichen der Landschaft Interlaken.


Verkehrsmittel


Zuerst waren es Gondeln auf dem See, Fuhrwerke und Reitpferde, die zur Verfügung standen. In den dreissiger Jahren des 19. Jahrhunderts kam ein gewaltiger technischer Fortschritt: die ersten Dampfschiffe erschienen auf dem Brienzersee. Sie verursachten bei der Bevölkerung noch grösseres Erstaunen als das Auftreten der Schwäne anno 1776.

Bönigen sonnte sich weiter im Ruhm des technischen Fortschritts: Es erhielt eine der allerersten Eisenbahnstationen des Berner Oberlandes. Am 1. Juli 1874 fuhr der erste Zug der zweistöckigen Bödelibahn von Därligen am Thunersee nach Bönigen am Brienzersee. Nach 95 Jahren – am 31. Mai 1969 – verlässt der letzte Zug die Station Bönigen. Die Bahn wurde wegen „ungenügenden Einnahmen“ aufgehoben und durch einen Autobus ersetzt. Station und Bahnanlage wurden abgebrochen.


 
30.07.2010 09:15
 


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