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© 2008 Interlaken Tourismus
Geschichte

Wussten Sie, dass der Name "Interlaken" aus dem Lateinischen kommt und dass Interlaken früher "Aarmühle" hiess? Und weshalb heisst das weltberühmte Dreigestirn eigentlich "Eiger", "Mönch" und "Jungfrau"?

 

 

Die drei Orte

Pioniere

Bauten

Verkehrsmittel

Feste und Spiele

Berühmte Gäste

Das Dreigestirn Eiger, Mönch und Jungfrau

 


 
 
 
Interlaken, Matten, Unterseen

Entscheidend für die Entwicklung des ‚Bödelis’ war das Anfang des 12. Jahrhunderts gegründete und 1133 erstmals erwähnte Augustinerkloster. Das Kloster Interlaken, das seit 1224 dem Schutz der aufstrebenden Stadt Bern unterstellt war, wurde zu einem der grössten Grundbesitzer in der näheren und weiteren Umgebung. Durch seinen Reichtum und seine weitläufigen Beziehungen zog es viele Händler und Gäste an. Später wurde dem Männerkloster auch ein Frauenkloster mit zeitweise über 300 Nonnen angegliedert. Finanzielle Belastungen und Unstimmigkeiten führten 1484 zur Aufhebung des Frauenklosters. Mit der Reformation im Stande Bern kam 1528 das endgültige Aus für das Kloster. Von nun an dienten die Räumlichkeiten dem bernischen Landvogt als Amtssitz. In der folgenden Zeit wurde die Klosterkirche zweckentfremdet, diente als Fass- und Wagenscheune und zerfiel. Erst 1909 wurde auf den Grundmauern des ehemaligen Kirchenschiffes die protestantische Kirche errichtet. Die Katholiken bauten zur gleichen Zeit ihr Gotteshaus unmittelbar daneben.

 Zeittafel

Interlaken, das ehemalige Aarmühle

Die heutige Ortschaft Interlaken hiess früher Aarmühle. Die Klostermühle, welche dem Dorf den Namen gab, gehörte seit 1562 der Landvogtei. Ab 1708 aber standen die vier Mühlräder zur Aarmühle still. Noch heute erinnert der Mühlekanal an das frühere Gewerbe. Im Jahre 1891 gelang der Gemeinderat mit dem Gesuch an die Regierung, den Ortsnamen "Aarmühle" in den allgemein gebräuchlichen Namen "Interlaken" abzuändern. Denn bereits geografische Karten, Reisehandbücher, Fahrpläne und sogar die Werbung trugen den Namen Interlaken. So wurde im Dezember 1891 vom Regierungsrat gestattet, den Namen "Aarmühle" in "Interlaken" zu ändern.


Matten

In einer Urkunde von 1183 kann der Name "Interlacus-Madon" erstmals gefunden werden. Eine weitere Erwähnung von Matten kann 1242 gefunden werden: eine Schmiede mit Pintenrecht, wahrscheinlich der heutige Gasthof Hirschen. Die heutige Gemeinde Matten entstand aus der damaligen Bäuertgemeinde Matten. In historischen Zeiten teilten sich die Bäuertgemeinden Aarmühle (Interlaken), Wilderswil und Matten die Ländereien zwischen Lütschine und Aare. 1838 überwarfen sich die Bäuertgemeinden Matten und Aarmühle. Die Mattener lösten sich von den Aarmühlern und gründeten die Einwohnergemeinde Matten. Das heutige Gemeindewappen wurde erst 1945 vom Gemeinderat genehmigt.


Unterseen, die oberste Stadt an der aare

Am 13. Juli 1279 erteilte König Rudolf I. von Habsburg dem Freiherrn Berchtold III. von Eschenbach-Oberhofen die Erlaubnis, zwischen den beiden Seen eine Feste zu bauen. Die neue Befestigung erhielt dabei auch das Stadtrecht. Die junge Stadt war in ständigem Streit mit dem Kloster Interlaken und suchte daher schon früh den Schutz der Stadt Bern. Während der Reformation wandte sich Unterseen gegen das Kloster Interlaken und wurde für seine Treue mit der Alp Sefinen belohnt. 1470 brannte Unterseen zum zweiten Male nieder und Bern befahl den Wiederaufbau mit einem Stadthaus in der Mitte. Nach der Helvetik war Unterseen ein Zentrum des Widerstandes gegen die wieder hergestellte Berner Feudalherrschaft. Im Jahre 1815 kam es zu den Interlakner Wirren, in denen Bürger von Unterseen eine wichtige Rolle spielten. Im aufkommenden Tourismus ab 1750 spielte Unterseen eine wichtige Rolle, noch vor Interlaken, die es erst um die Mitte des 19. Jahrhunderts einbüsste.


Pioniere

Pioniere der Hotellerie

Im Jahre 1834 suchten in Interlaken und seiner nächsten Umgebung elf Pensionen, Gasthäuser und dergleichen um die Umwandlung in «Stubenwirtschaften für fremde Reisende» nach. Sie wurde ihnen gegen eine jährliche Gebühr gewährt. Gegen die Jahrhundertmitte entstanden weitere Pensionen, und in den 1860er Jahren setzte der Hotelbau in grossem Stil ein. An dieser Stelle sind zwei Männer zu nennen, deren Weitblick und Tatkraft bis in unsere Zeit nachwirkt: Peter Ober und Eduard Ruchti. Sie waren die eigentlichen Pioniere des Fremdenverkehrs, denen Interlaken Entscheidendes zu verdanken hat.

 

Peter Ober (1813-1869)

Peter Ober wurde im Jahre 1813 in Hochfelden im Elsass geboren und studierte zuerst Medizin. Auf Empfehlung der Gemeindebehörde von Interlaken erhielt er 1839 das Patent für den Betrieb der Pension Aebersold am Höheweg. Noch heute erinnert die Peter-Ober-Allee auf der Höhematte an diesen Pionier der Hotellerie

 

Eduard Ruchti (1834-1902)

Eduard Ruchti, geboren am 10. August 1834 in Unterseen, verbrachte seine Jugendjahre in Unterseen, wo seine Eltern das Hotel Beau-Site führten. Eduard Ruchti war 1895 Mitbegründer der «Viktoria-Jungfrau AG».

 


Bahnpioniere

Adolf Guyer-Zeller (1839-1899)

1893 kegte der Zürcher Industrielle Adolf Guyer-Zeller wiederum ein Jungfraubahnprojekt vor, nachdem er ein paar Ferientage in Mürren verbracht hatte. Danach sollte eine Zahnradbahn auf der Kleinen Scheidegg an die Wengernalpbahn anschließen und in einem langen Felstunnel durch die Massive von Eiger und Mönch, unter dem Jungfraujoch hindurch, bis unter den Gipfel der Jungfrau führen. 1894 erhielt Guyer-Zeller die Konzession, nachdem durch eine medizinische Expedition ins Hochgebirge bei Zermatt nachgewiesen worden war, daß der Betrieb einer Bahn in solchen Höhen den Fahrgästen keine gesundheitlichen Nachteile brachte. Das Bahnprojekt wurde nach seinem Tod von seinen Söhnen weitergeführt und 1912 vollendet. Zu Ehren von Adolf Guyer-Zeller wurde im Englischen Garten im Ostquartier von Interlaken ein Denkmal gesetzt.

 

 


Bauten

Zu den bedeutendsten historischen Bauten auf dem Bödeli gehören:

 

Gasthäuser

• Das älteste Hotel auf dem Platz ist das Hotel Interlaken. Als Klosterherberge und ehemaliges obrigkeitliches «Gasthaus» ist es schon seit 1491 bekannt und war Absteigequartier berühmter Gäste wie Lord Byron und Felix Mendelssohn-Bartholdy.

• Das Hotel Neuhaus war ebenfalls bereits im 15. Jahrhundert als Gasthaus bekannt. Beim damaligen Landeort der Thunerseeschiffe fand ein belebter Güterumschlag statt.

• Auch der Name des Mattenwirtshauses, heutiger Gasthof Hirschen, erscheint schon im Jahre 1581.

• Eine weitere Herberge war zu alten Zeiten das Stadthaus Unterseen. Der Bau stammt aus dem Jahre 1471 und diente als Kauf- und Rathaus. An seiner Stelle wurde dann 1819 das Stadthaus errichtet. In den Anfängen des Fremdenverkehrs war Unterseen der Ausgangspunkt für die beliebten Reisen durch das Oberland. Der Dichter Johann Wolfgang von Goethe ist auf seiner ersten Schweiz-Reise im Jahre 1779 im Stadthaus Unterseen abgestiegen. Auch Felix Mendelsohn fand 1831 bei einer Rückkehr von einer Italien-Reise im Stadthaus Unterkunft. Heute ist das Stadthaus im Besitz der Einwohnergemeinde Unterseen und beherbergt ein Restaurant, eine Galerie, das Zivilstandsamt und den Spitexverein.

 

Kurörtliche Einrichtung

Zu den wichtigen historischen Bauten gehört der Kursaal. Das «Kurhaus Interlaken» wurde in den Jahren 1858/59 gebaut und diente zuerst als Molkenkuranstalt, hatte aber auch Lokale für Lektüre, Spiel, Konversation, Restauration, Musik und Bälle. Was in Europa Rang und Namen hatte, ging dort ein und aus.

 


Verkehrsmittel

Das Dampfschiff war in unserer Region das erste Massenverkehrsmittel. Als solches war es schon im Jahre 1835 bekannt. Damit wurde der Thunersee für die Dauer von mehr als 50 Jahren zur Hauptverkehrsader ins Engere Oberland. Die Anreise bis Thun-Hofstetten erfolgte entweder zu Fuss oder per Kutsche. Mit der Eröffnung der Dampfschifffahrt machten die unbequemen und von Wind und Wetter abhängigen Ruderboote dem komfortablen neuen Verkehrsmittel Platz.

Auf dem Brienzersee wurde das erste Schiff im Jahre 1839 in Betrieb genommen.

Die Schifffahrt auf beiden Seen ist privater Initiative zu verdanken.

1872 wurde die Bödelibahn, Därligen – Interlaken, eine Strecke von 4,3 km, eröffnet. Als zweites 4,1 km langes Teilstück kam 1874 die Strecke Aarmühle (Interlaken) – Bönigen dazu.

Um den Aufenthalt der zahlreichen Gästen attraktiver und abwechslungsreicher zu gestalten, wurde 1905/1906 die Drahtseilbahn zur Heimwehfluh (Bergstation 670 m ü. M.) gebaut. Nur zwei Jahre später folgte die Eröffnung der Harderbahn (Bergstation 1322 m ü. M.), welche 1908 in Betrieb genommen wurde. Die zwei Ausflugsziele haben Interlaken als Ausgangspunkt und bieten einen unvergleichlichen Panoramablick auf den Tourismusort sowie auf den Thuner- und Brienzersee.

Beide Bahnen sind nur im Sommer, d. h. von April/Mai bis Oktober geöffnet.

Von 1872 bis 1916 wurden im Berner Oberland mehr als 25 Bahnen gebaut, über 40 projektiert, aber nur zwei Passstrassen für den Fahrverkehr ausgebaut.

 


 Zeittafel der Transportanlagen

 


Feste + Spiele

Unspunnenfest

Das Alphirtenfest zu Unspunnen

Bereits zu Beginn des 13. Jahrhunderts hatten auf der Burgwiese zu Unspunnen Feste der Versöhnung und der Freundschaft stattgefunden. Es galt, Spannungen und Gegensätze – vornehmlich zwischen Stadt und Land und zwischen Regierungen und Regierten – abzubauen. Ähnlich war es auch kurz vor dem ersten traditionellen Unspunnenfest im Jahre 1805: Die Berner Oberländer hatten sich schon früher immer wieder gegen die Vorherrschaft der Stadt Bern aufgelehnt. Sie wollten selbständig sein und bildeten deshalb zwischen 1798 und 1803 in der Helvetischen Republik einen eigenen Kanton. Stadt und Land waren damit gleichgestellt. Aber schon im Jahre 1803 sassen im Berner Grossen Rat von 195 Mitgliedern bereits wieder 125 Stadtberner. Dies schuf erneut böses Blut zwischen den beiden Kantonen. Daraufhin organisierten der bernische Schultheiss, Niklaus Friedrich von Mülinen und Franz Ludwig Thormann, Oberamtmann in Interlaken, zusammen mit dem Kunstliebhaber Sigmund Wagner aus Bern und dem Maler Franz Niklaus König aus Unterseen, das erste Unspunnenfest. Die Alphirtenfeste zu Unspunnen 1805 und 1808 markieren den Beginn des eigentlichen Tourismus auf dem Bödeli. 1905 erinnerte die Hundertjahrfeier an den Geist von Unspunnen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Tradition wieder aufgenommen. 1946, 1955, 1968, 1981 und 1993 erlebten tausende von Zuschauern die Eidgenössischen Trachten- und Alphirtenfeste.

 

Unspunnenfest 2006

 


Tellspiele

Schillers Tell in Matten

Die Tellspiele sind mit dem Namen Interlaken verbunden wie das Jungfraumassiv, die Kutschen, die Hotels oder der Harder. Am 19. Mai 1912 wurde Schillers Drama vom Freiheitshelden Wilhelm Tell erstmals in Interlaken aufgeführt. Nach Unterbrüchen während den beiden Weltkriegen finden die Vorstellungen seit 1947 jeden Sommer statt. Rund 190 Laienschauspieler aus der Region - Männer, Frauen und Kinder - sowie

Pferde, Kühe und Ziegen helfen mit, das Freilichttheater für jährlich über 25‘000 Zuschauer immer wieder zu einem unvergesslichen Erlebnis werden zu lassen.

 

Tellspiele

 


Berühmte Gäste

Johann Wolfgang Goethe

Der berühmteste Gast des Oberlandes war im 18. Jahrhundert zweifellos der Dichterfürst.

 

Lord Byron

Der grösste englische Dichter unternahm ab 1816 manch ausgedehnte Reise ins Oberland.

 

Felix Mendelssohn

Der grosse Musiker kam bereits als Knabe nach Interlaken, das letzte Mal 1847. Bekannt ist auch, dass er mehrmals auf der Orgel der Burgkirche in Ringgenberg spielte. Er verhalf dem Namen Interlaken in seinem Kulturkreis zu einem guten Ruf. Seine Nachkommen besitzen noch heute das Anwesen "Ried" oberhalb Wilderswil

 

Thomas Cook

Thomas Cook organisiert 1855 die erste Europa-Rundreise für britische Touristen.

 

Lev Nikolajewitsch, Graf Tolstoj

Während seiner ersten Auslandreise besuchte der Schriftsteller Tolstoi 1857 auch die Schweiz. Am 30. Mai dieses Jahres weiss man, dass er Bönigen besucht hat.

 

Mark Twain

Der amerikanische Schriftsteller wusste 1878 den Komfort des damaligen Hotels Victoria zu schätzen.

 

Weitere Berühmtheiten pflegten entweder regelmässig oder als Must auf einer sogenannten "Grand Tour" in einem der Hotels in der Region abzusteigen.

 


Das Dreigestirn Eiger, Mönch + Jungfrau

Eiger

Der Name«Eiger» stammt vom mittelhochdeutschen Hej-Gêr, was „hohe Spitze“ oder „hoher Ger“ bedeutet und noch im gebräuchlichen Dialektwort „Hoger“ enthalten ist.

 

Mönch

Der Name «Mönch» hat nichts mit den Klosterbrüdern von Interlaken zu tun. An seinem Fuss befinden sich Alpweiden, auf welchen früher, als die Pferdezucht im Oberland noch heimisch war, Münche, also Wallache, gesömmert wurden. So hat man den über den Münchenalpen gelegenen Berg Münchenberg geheissen und schliesslich nur noch Münch oder Mönch.

 

Jungfrau

Wenn beim Mönch die Fährte nicht zum Kloster Interlaken lief, so tut sie es bei diesem Berg. Die Augustinerinnen besassen an den Nordwesthängen der Jungfrau eigene Alpen, wie sie auch solche in Wengen und Wengernalp hatten. Sie hiessen im Volk einfach Jungfrauenberge. Diese allgemeine Bezeichnung hat nun im Laufe der Zeit dazu geführt, dass sich der Name von den simplen Kuhalpen, auf welchen die Nonnen Alpwirtschaft betreiben liessen, bis hin auf den höchsten Gipfel des Massivs einbürgerte und so geblieben ist.

 

Quelle: „Mein Thunersee“, Markus Krebser, Krebser Verlag Thun

 


 
10.02.2012 11:06