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Geschichte

Als im Jahre 1230 Ritter Kuno von Brienz vom deutschen Kaiser zum Reichsvogt des Brienzerseegebietes ernannt wurde, liess er die Burg Ringgenberg bauen. Danach erhielt das Dorf Rinkenwyl seinen heutigen Namen Ringgenberg.

 

Seine Glanzzeit erlebte das Geschlecht der Ringgenberger mit Johannes (1291 bis 1350), der als kluger Politiker seine Unabhängigkeit während der unruhigen Regierungszeit behaupten konnte. In die Geschichte ging er als berühmter Minnesänger ein. Seine Werke sind heute in der Manessischen Handschrift in Heidelberg erhalten.

 

 Faltprospekt Geschichte


 
 
 
Die Freiherren von Ringgenberg


Der Ursprung dieses Adelsgeschlechtes liegt in sagenhaftem Dunkel. Aus urkundlichen Nachrichten geht hervor, dass die Häuser Raron und Brienz Vorfahren der Ringgenbergs sind. Am 5. September 1240 ist zum ersten Male von dem «castrum» bei Ringgenwyl die Rede. Ebenfalls urkundlich erwähnt ist, dass Kuno von Brienz im Beisein seines Sohnes Philipp den Kirchensatz von Goldswil, ohne die Feste Ringgenberg, an diesem Datum an Interlaken vergabte. Als Kuno starb, übernahmen seine Söhne Philipp und Rudolf die Verwaltung der Herrschaft. Nach 1258 nennen sie sich die Herren von Ringgenberg oder Vögte von Raron. Der Name Brienz verschwindet allmählich.

Johannes von Ringgenberg, Philipps Sohn und Nachfolger in der Vogtsgewalt, überragte an Bedeutung alle seine Stammesgenossen. Er kämpfte vor Gericht für die Klärung der Besitzverhältnisse mit dem Kloster Interlaken.

Um 1308 bewarb sich Johannes von Ringgenberg um das Burgrecht zu Bern. 1310 schliesst er sich dem Römerzug des neugewählten Königs, Heinrich von Luxemburg, an. Später nahm der Einfluss Österreichs zu, aber Johann suchte stets seine Neutralität zu bewahren. So trat er als Vermittler zwischen dem Kloster Interlaken und Österreich auf (1315).

Johannes war nebst seiner Rolle als Diplomat auch Dichter und Sänger. Seine Minnelieder gehören zu den ältesten dichterischen Zeugnissen aus dem Berner Oberland. Er hat in ganzen 17 solcher Minnelieder geschaffen.

Das Geschlecht der Ringgenberger kann noch bis 1380 oder 1390 weiterverfolgt werden. Danach erlosch der Mannesstamm der Vögte von Brienz-Ringgenberg.

Quelle: Geschichte + Volkskunde, G. Ritschard


Um 1780...

Auf Verlangen der bernischen Regierung verfasste der damalige Dorfpfarrer, Johann Rudolf Nöthiger, eine Arbeit über die damalige Lebensweisen.

Ringgenberg

Das Dorf Ringgenberg allein wurde in drei besondere Quartiere unterteilt - das eigentliche Dorf, dann die Dorfteile Moosrain und Säge. Das ganze Dorf umfasste 76 Häuser und 99 Haushaltungen bei 400 Einwohnern. Die Häuser waren alle hölzern mit untermauertem Fundament und meistens gering.

 

Goldswil

Über Goldswil schrieb Nöthiger: Es macht mit demselben zu Ringgenberg eine und die gleiche Dorfgemeinde in March-, Allment- und Bäuert-Rechtsame aus, hält 26 Häuser, 30 Haushaltungen und 124 Einwohner. Diese sind aussert einigen wenigen alle arm, doch niemanden beschwerlich, weil sie sich alle mit Wurzelgraben so gut als möglich durchzubringen versuchen. Nebst einigen Schneidern und Schustern befindet sich da auch ein Zimmermann, der zugleich Tischler, Träher und Schiffmacher ist. Im Dorf ist nur ein Brunnen. Das um diese Dorfschaft in einzelnen Gütern herumliegende Mattland hält 26 Kühwinterung, wovon aber noch vieles nach Ringgenberg gehört; haben nebst ihrem Anteil an der Mittelallment zu Ringgenberg noch eine besonder Allment, worauf sie 20 Kühe sömmern.

Hier ist merkwürdig die alte Pfarrkirche, deren Überbleibsel auf einem Berg ob dem Dorfe stehen. Der hohe Turm ist von lauter Tuffstein romanisch, die Kirchenmauern aber nach alt gothischer Art gebauet. Um die Kirche herum befinden sich die obrigkeitlichen Pfarrgüter, wie auch der Totenacker.

 

Niederried

Die Gemeinde Niederried, nicht weit vom See, hält 21 Häuser, 28 Haushaltungen und 98 Personen, darunter kein Handwerker aussert einem Schiffmacher, der zugleich Zimmermann, Tischler und Seiler ist. Die Einwohner sind meist alle begütert. Diese Dorfschaft hat ihre eigene besondere March, Bäuertseckel und Rechtsame. Im Dorf sind zwei Brünnen, die von einer Quelle in 70 Dünkeln zugeleitet werden. Die Leute kleiden sich in alter Landestracht aus Wolle ihrer Schafe. Tuch zu Hemden liefert der Hanf, das Leder für ihre Schuhe ihr Schlachtvieh. Alles wird verarbeitet.

 

Quelle: Geschichte + Volkskunde, G. Ritschard


 
03.09.2010 10:58